Frauen

Wir haben Kurven, Orangenhaut und Macken.
Wir haben Ausdauer, Gefühle, Empathie und unsere Ohren überall.
Analysieren, reden und zuhören können wir gleichzeitig.
Auch Wäsche aufhängen und telefonieren. Überhaupt sprechen wir viel, wir müssen täglich unser Wörter-Kontingent aufbrauchen.

Wir haben einige Lieblingstassen und entscheiden nach Gefühl, welche wir benutzen möchten.

Jede einzelne Socke im Haushalt kennen wir und wissen auswendig, was gerade ‚in der Wäsche‘ ist.
Wir haben verschiedene Kategorien von Unterhosen. Die zum weggehen, die nicht kneifen und etwas Bauch weg mogeln. Einige fürs ’sich sexy fühlen‘ und die Kategorie ’noch einmal anziehen, dann direkt weg schmeißen‘. Letztere landen selbstverständlich immer wieder in der Wäsche.

Wir haben tolle Brüste und hätten dennoch gerne Schönere. Wir sind mit einigen Teilen unseres Körpers unzufrieden und wir hören gerne, wenn Jemand das Gegenteil behauptet. Im Vergrößerungsspiegel studieren wir kritisch unsere Gesichtshaut.
Wir können Schlafmangel mit wenigen Handgriffen überschminken.
Manchmal machen wir uns sehr lange zurecht, um am Ende extra so auszusehen, als hätten wir kaum etwas gemacht.

Wir riechen an unseren Shampoos, bevor wir sie kaufen.
Wir lesen während dem Duschen die Texte der Pflegeprodukte durch.
Die meisten von uns lieben Taschen. Viele Taschen. Und in jeder Tasche haben wir mindestens einen Lippenpflegestift.
Wir kaufen uns auch immer neue Lippenpflegestifte. Und Handcremes. Und Schuhe.
Es ist kein Klischee, wir können nie genügend Schuhe haben.

Nach einem Friseurbesuch schauen wir uns unauffällig in jedem Schaufenster an. Wir überlegen uns vor dem Anziehen, wie wir uns fühlen. Oft ziehen wir stundenlang den Bauch ein und reißen uns für unbequeme, aber schöne Schuhe nächtelang zusammen.

Wir können Geheimnisse für uns behalten, jahrelang.
Wir können jedoch genauso schnell Informationen weiter geben. Auch ohne Worte.
Andere Frauen scannen wir in Sekundenbruchteilen von oben bis unten ab und schätzen sie so ein.
Wir wünschen Anderen manchmal die schlimmsten Dinge an den Hals, während wir nett mit ihnen plaudern.

Wir können diszipliniert Ernährungstipps durchziehen. Und dann wieder nachts eine ganze Pakung Eis in uns rein stopfen.
Aus Frust.
Oder weil es was zu feiern gibt.
Oder einfach so.

Miniaturgrößen von Kosmetikartikeln lieben wir und kaufen darum immer mehr davon.
Wir haben beim Einkaufen den kompletten Inhalt unseres Kühlschranks im Kopf und riechen wir am Waschmittel, bevor wir es kaufen.

Wir mögen blitzblank saubere Toiletten. Auf öffentliche Toiletten können wir Pinkeln gehen, ohne irgend etwas zu berühren. Einigen von uns ist es völlig egal, wie wir diese hinterlassen.

Meistens lassen wir uns handwerklich gerne helfen, wenn wir auf etwas kein Lust haben. Wenn wir wollen, können wir aber eine ganze Wohnung an einem Abend alleine umstellen.
Wir richten uns gerne je nach Jahreszeit und Gefühlslage neu ein.
Wir können Dinge schnell verschwinden lassen, zum Beispiel wenn Besuch kommt. Kennen Ikea-Möbel beim Namen und können nach einem Besuch bei Freunden deren Einrichtung im Detail wiedergeben.

Über Blumen und kleine Geschenke, Briefe oder Zettelchen freuen wir uns immer wieder. Auch über Komplimente, selbst wenn wir es abstreiten.
Manchmal beneiden wir Männer und fast jede von uns hat schon versucht, im Stehen zu pinkeln. Wenn wir pupsen, duftet es leider nicht nach Rosen.
Wir schauen gerne anderen auf den Po und haben unsere Fantasien.
Und wir haben Ängste. Ängste und zu viele Gedanken im Kopf.
Fehler suchen wir oft bei uns.

Wir können große Schmerzen aushalten.
An Gefühle erinnern wir uns genauso wie an Kleider, die wir an besonderen Tagen getragen haben.
Auch an die Kleider anderer Frauen.
Wir weinen vor Freude.
Wir weinen vor Rührung.
Wir weinen oft alleine.
Wir reden mit guten Freundinnen über intimste Dinge und wissen im Grunde genau, was wir wollen.
Wir haben alle schon versucht, an einen Partner etwas zu verändern.
Viel zu oft verstecken wir konkrete Aufforderungen gerne in Fragen oder Andeutungen.

Wir kennen Neid und Missgunst. Aber auch Selbständigkeit, Eigenständigkeit und Stolz. Wir möchten stark sein und gleichzeitig beschützt werden.

Für negative Dinge benutzen wir weibliche und für Positives männliche Adjektive.
Aber trotz dämlicher Dellen am Hintern, Falten um die Augen und der Schwerkraft folgenden Brüsten ist es einfach herrlich, eine Frau zu sein.

 

@marylong 

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